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    Boyle, T. C.:
    Drop City

    dtv, 2005, 1. Aufl., 3-423-13364-3, kt.,
    582 S., € 10,00. inkl. gesetzl. MwSt.

    Die jungen Leute liegen auf Sofas, stockfleckigen Matratzen, Schlafsäcken, Kiefernzweigen und Autorücksitzen und erholen sich von den Nachwirkungen ihrer Joints. Überall Unrat, Zeitungen, Zeitschriften, schmutzige Teller, Tassen und Gläser ... auf einem kalifornischen Anwesen lebt eine Gruppe von Hippies ihren Traum vom Leben in freier Natur, von freier Liebe, Musik und natürlich jeder Menge Drogen.

    Der junge Norm Sender hat das Farmgrundstück von seinen Eltern geerbt und darauf „Drop City“, die Stadt der Aussteiger, gegründet. Sie, das sind Star, Pan, Verbie, Jiminy, Premstar und all die anderen, wollen einfach nur frei sein. Sie kochen ihre Süppchen und backen ihre Haschkekse. Nur keine Arbeit, vor allem keine Verantwortung. Das ruft natürlich die Feindschaft der umliegenden Farmer hervor. Also platzt eines Tages dem Sheriff der Kragen und er lässt Drop City mit Bulldozern räumen.

    Aber Norm Sender weiß einen Ausweg: weit oben im Norden hat er ebenfalls eine Blockhütte geerbt und so siedelt die Hippie-Kommune von Kalifornien nach Alaska über. Weit weg von Behörden und drei Kanustunden vom nächsten Ort entfernt, versuchen sie ein zweites Mal ihr trügerisches Paradies aufzubauen.
    Hier gibt es jedoch weder Strom noch einen Supermarkt gleich um die Ecke, vielmehr herrschen in der Wildnis die Gesetze des Überlebens. Täglich werden sie mit der harten Realität eines Lebens in der Natur konfrontiert und so brechen bei minus vierzig Grad in den muffigen Blockhütten zwischen den Mitgliedern bald die Konflikte auf.

    Der Roman spielt 1970, jenem Jahr, das in den USA geprägt war von massenhaften Protesten gegen die Bombardierungen in Nordvietnam und die widerrechtliche Invasion in Kambodscha. Dabei wurden vier Studenten an der Kent State University in Ohio von Nationalgardisten getötet. Es war das Jahr, in dem Janis Joplin und Jimi Hendrix an Drogenkonsum starben - die Hippiebewegung hatte längst ihre Unschuld verloren.

    Der amerikanische Autor T.C. Boyle kennt das Ende der Flower-Power-Ära aus eigenem Erleben. Bereits in seinem früheren Roman „Grün ist die Hoffnung“ setzte er sich mit der Gegenkultur der Blumenkinder auseinander. Beschrieb er damals die witzige Seite der Bewegung, für die „das Leben in der Gesellschaft ein einziger Stumpfsinn war“, zeigt er nun in „Drop City“ die finstere Seite des Hippietraumes.
    Boyle hat mit der Odyssee einer Hippie-Kommune ein großes Epos über diese Jugendgeneration geschrieben, wortgewaltig und teilweise mit schwarzem Humor. „Drop City“ ist ein Abenteuerroman und zugleich eine spannende Auseinandersetzung über verschiedene Lebensentwürfe.

    Manfred Orlick

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