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    Fels, Ludwig:
    Reise zum Mittelpunkt des Herzens

    Jung und Jung, 2006, 1. Aufl., 3-902497-05-X, geb.,
    159 S., € 17,80. inkl. gesetzl. MwSt.

    „Erschrick nicht, die Sonne scheint, die Vögel singen“, sagt Linda, als sie ihren schwerkranken Mann Tom aus dem Krankenhaus abholt. Es ist nur für ein paar Stunden, so lange wie es die mobile Schmerzmittelpumpe erlaubt. Tom, der einen Hirntumor hat, will mit seiner geliebten Frau und seinem besten Freund Jack daheim ein paar Stunden verbringen, vielleicht die letzten Stunden.

    Geplant ist ein gemeinsamer Ausflug zu einer Insel, auf der die drei vor Jahren herrliche Stunden miteinander verbracht haben. Außerdem will Jack, der ein erfolgreicher Fotograf ist, ein paar Erinnerungsfotos machen und so den Freund vor der Vergessenheit retten.
    Zunächst verspätet sich Jack, doch dann sitzt man bei Rotwein, Käse und Brot auf der grünen Wiese. Ein herrlicher Tag, Vogelgezwitscher, das Flattern der Schmetterlinge … und Tom hat fast keine Schmerzen. Jack gibt sich Mühe, er wälzt sich förmlich auf der Erde, um das Paar professionell zu fotografieren.

    Und doch hängt über dieser Picknick-Idylle ständig das Damoklesschwert des nahen Todes. Zusätzlich hat Jack eine Autokollision mit einem Reh und das verendende Tier zuckt wie Tom, der fast bewegungsunfähig auf der Wiese liegt. Als sie zurückkehren, ist sein Hemd durchgeschwitzt und er schafft es nicht mehr, aufrecht zu sitzen. Jetzt fällt ihm ein, dass er die Fotos, die Jack heute von ihm gemacht hat, vielleicht niemals zu sehen bekommen wird.
    Und da sind plötzlich die Dinge, die er bisher einfach nicht wusste und die er nie erfahren wird. Wie atmet ein Wal zum Beispiel? Dinge, die nie wichtig waren und nun ... „Dann, als wäre es nie anders gewesen, hörte er seinen Atem nicht mehr.“

    Ludwig Fels (geb. 1946) wurde in den 70er Jahren mit kritischen Gedichten bekannt, in denen er sich schonungslos mit der Wohlstandsgesellschaft auseinander setzte. Hier lernt der Leser nun einen anderen Autor kennen, einen einfühlsamen Ludwig Fels, der eine traurige Geschichte von Liebe und Tod erzählt. Das Zusammentreffen mit seinem Freund wird für Tom zur Qual, denn seine Eifersucht und sein Misstrauen sind stärker als seine Schmerzen.

    Fels ist ein wirklich bewegendes und erschütterndes Buch gelungen, sicher gelegentlich etwas sentimental, doch bei diesem Thema ist jede Zeile ein Balanceakt zwischen Tränen und Pathos. „Reise zum Mittelpunkt des Herzens“ ist ein reiches Beispiel für die literarische Bewältigung des Sterbens, einer menschlichen Realität, die wir allzu häufig verdrängen.

    Manfred Orlick

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