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Hohleiter, Vera: Schlaflos in Seoul
dtv, 2009, 1. Aufl., 978-3-423-21153-6, Kt.,
192 S., € 8,95. inkl. gesetzl. MwSt.
Seoul ist die Metropole einer stolzen Nation. Spätestens seit den Olympischen Sommerspielen 1988 ist Seoul jedem ein Begriff. Mit seinen fast 11 Millionen Einwohnern zählt Seoul zu den größten Städten der Welt.
Die südkoreanische Hauptstadt ist eine Stadt der Gegensätze. Neben dem historischen und kulturellen Erbe hat Seoul einige moderne Superlative zu bieten, z.B. das höchste Hochhaus Asiens oder mit dem Seoul Tower eines der höchsten Gebäude der Welt. Gleich neben den Riesen aus Glas und Stahl gibt es aber auch slumartige Siedlungen mit Wellblechdächern.
Wenn man der jungen Literatur- und Geschichtswissenschaftlerin Vera Hohleiter vor einigen Jahren gesagt hätte, dass sie später in Korea leben würde, hätte sie es vermutlich nicht geglaubt. Doch dann packte die heute Dreißigjährige im Herbst 2006 ihre Koffer und landete neugierig und abenteuerlustig in Korea. Dort kannte sie nichts und niemand, außerdem sprach sie kein Wort Koreanisch.
Eigentlich wollte sie nur ein Jahr bleiben, doch dann wurde sie durch Zufall für eine populäre Fernsehshow engagiert. Und so wurde aus dem närrischen Neuankömmling der ersten Tage eine integrierte Ausländerin, die aber noch heute gelegentlich unter den Symptomen des Grace-Kelly-Syndroms (sprich Heimweh) leidet.
Nun hat Vera Hohleiter, die für verschiedene Zeitungen und Zeitschriften schreibt, ihre Erfahrungen und persönlichen Eindrücke in „Schlaflos in Seoul“ zusammengefasst. In kurzen und lebendigen Episoden schildert sie den koreanischen Alltag, berichtet vom Familienleben, von den Studienmöglichkeiten, den Arbeitsbedingungen und vom Glück, das im Schnapsglas liegt. Humorvoll erzählt sie auch, wie sie als höfliche und wohlerzogene Europäerin trotzt aller Bemühungen, alles richtig zu machen, sich immer wieder im Wirrwarr der koreanischen Regeln verirrt und dabei so manches Fettnäpfchen nicht auslässt.
Immer wieder geht die Autorin der Frage nach, die ihre Freunde und Bekannten gestellt haben: „Warum denn Korea?“ Zunächst fallen ihr nur ziemlich nichtssagende Argumente ein, bis sie gesteht, dass sie in Korea Erfahrungen sammeln konnte, die sie in Deutschland nie gemacht hätte. Ihr Fazit: Korea ist ein faszinierendes Land, das sich im Umbruch befindet.
„Schlaflos in Seoul“ aus dem Deutschen Taschenbuch Verlag ist ein Reisebericht, der hinter die Kulissen blickt, ein Erfahrungsbericht mit zahlreichen persönlichen Eindrücken. Trotz der zahlreichen Detailbeschreibungen wird die Lektüre nie langweilig. Besonders interessant sind die Schilderungen von den Begegnungen mit den Einheimischen. Alles in allem ein sehr unterhaltsames und sympathisches Buch von einer intelligenten und neugierigen Frau.
Manfred Orlick
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