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    Matusche, Alfred:
    Dramen

    Verlag André Thiele, 2009, 1. Aufl., 978-3-940884-08-4, Leinen,
    440 S., € 39,90. inkl. gesetzl. MwSt.

    Der Dramendichter Alfred Matusche (1909-1973) wurde häufig als „Wolfgang Borchert des Ostens“ bezeichnet. In seinen Dramen, die man zum sozialistischen Sturm und Drang rechnete, stellte Matusche die moralischen Wandlungen zwischen Kriegsende und Neubeginn in den Mittelpunkt. Es waren ganz persönliche Auseinandersetzungen mit Krieg und Faschismus, wie man sie in der DDR erst in den späten 70er Jahren wieder antrifft.

    Seine Stücke wurden selten gespielt und oft missverstanden. Der Mainzer Verlag André Thiele gibt nun erstmals alle seine Dramen gründlich editiert und in einem Band heraus. Damit hat man die Gelegenheit, einen der bedeutenden deutschen Stückeschreiber des zwanzigsten Jahrhunderts kennenzulernen, von dem Brecht gesagt hat: „Bei Ihnen ist jede Zeile wahr, die Sie schreiben.“

    Diese Theaterstücke bilden gewissermaßen eine „deutsche Chronik“ der deutschen Nachkriegsgeschichte. Sein bekanntestes Stück „Die Dorfstraße“ (UA 1955) spielt kurz vor und nach dem Kriegsende in Polen und an der deutsch-polnischen Grenze. Hier treffen in einem belagerten Gut an der Neiße Flüchtlinge, Heimkehrer und Dagebliebene aufeinander. Mit seiner kargen und melodischen Sprache verdeutlicht das Stück die stummen Grauen der Kriegs- und Nachkriegszeit. Mit dem Thema von deutscher Schuld und Vertreibung setzte sich der Autor noch einmal in „An beiden Ufern“ (UA 1974) auseinander.

    Mit „Kap der Unruhe“ (UA 1970) reagierte Alfred Matusche auf die Alltagsprobleme der sozialistischen Gesellschaft. Pünktlich zum Ersten Mai ist die neue Plattenbau-Stadt fertig. Das geregelte Leben soll nun beginnen, doch Kap, den Kranführer, befällt Unruhe, selbst zwei Frauen können ihn nicht halten und so zieht er angewidert weiter. Nicht Wohlstand und Ruhe sind ihm wichtig, er sucht die individuelle Herausforderung.

    Sein „Van Gogh“ (UA 1973) ist ein Ausnahmestück, das bereits 1969 in der ARD als Fernsehspiel verfilmt wurde. Van Gogh sieht die Welt am Rande und bleibt in ihr ein Fremder, er ist der Außenseiter und Besiegte, so wie sich Matusche selbst sah. Und so ist „Van Gogh“ eine dramatische Biografie.

    Matusche sah sich als „betender Kommunist“, niemand schrieb im Nachkriegsdeutschland so unmittelbar und eindringlich von Versöhnung und der gemeinsamen Geschichte der Deutschen und Polen. Stets forderte er zum Widerspruch heraus. Er war ein Dramatiker zwischen bürgerlichen Bildungstheater und Brechts epischen Theater. Schon zu Lebzeiten hatte der unbequeme Dichter nicht das große Publikum, deshalb verdient dieser Sammelband alle Anerkennung.

    Manfred Orlick


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