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    Urbahn de Jauregui, Heidi:
    Dichterliebe

    Verlag André Thiele, 2009, 1. Aufl., 978-3-940884-02-2, geb.,
    383 S., € 18,95. inkl. gesetzl. MwSt.

    Die Liebe war ein zentrales Thema in Heinrich Heines Werk. Seine Liebesgedichte gehören zu den schönsten Liebesgedichten der deutschen Literatur und erweisen sich auch heute noch als völlig zeitlos. Ebenso war „Heine und die Frauen“ stets ein viel diskutiertes Thema der Literaturgeschichte.

    Heines letzte Liebe war dagegen eine platonische: Die Schriftstellerin und Abenteurerin Elise Krinitz hatte sich im Frühjahr 1855 dem Dichter, der seit sieben Jahren an seine Matratzengruft gefesselt war, vorgestellt. Weil Heine gerade ohne Sekretär war, beschäftigte er die junge Frau bis zu seinem Tod im Februar 1856 mit mancherlei Schreib- und Übersetzungsarbeiten sowie als Vorleserin an seinem Totenbett. Der Dichter verliebte sich in die sanftäugige „Mouche“ („Fliege“), wie er die "letzte Blume meines larmoyanten Herbstes" nannte, und widmete ihr seine letzten Liebesgedichte.

    Die Schriftstellerin Heidi Urbahn de Jauregui geht nun in ihrem neuen Buch dem Leben dieser außergewöhnlichen Elise Krinitz nach, die sicher eine der umstrittensten und bisher unbekanntesten Frauen der deutschen Literaturgeschichte ist. Doch „Dichterliebe“ ist keine Biografie im üblichen Sinn, denn die Autorin schlüpft in die Rolle des Lektors Matthias Rabuhn, der auf eine feste Anstellung an einer französischen Hochschule hofft.

    Gemeinsam mit Madeleine, seiner reizenden Pariser Studentin, macht sich der Deutsch-Franzose auf die Spuren dieser bemerkenswerten Frau, die 1825 als Elise Müller im sächsischen Belgern an der Elbe zur Welt kam. Mit 19 Jahren trat sie in der Weltstadt Paris als Pianistin auf, später wechselte sie zum Journalismus. Von dem weltberühmten Dichter erhoffte sie sich zweifellos ein wenig Protektion. Außerdem fühlte sie sich als Vermittlerin zwischen den beiden Nationen.

    Von Heines Ehefrau Mathilde geduldet, verbringen die beiden viele Stunden miteinander. Durch Heines Tod wird die Mouche in den literarischen Kreisen von Paris vorübergehend das, was sie immer werden wollte: eine wichtige Person. Fast dreißig Jahre später veröffentlichte sie unter dem männlichen Pseudonym Camille Selden schließlich ihr Erinnerungsbuch „Heinrich Heine’s letzten Tage“. Vierzig Jahre nach Heine, stirbt Elise Krinitz 71jährig, wobei sie vorher gründlich die Spuren ihrer realen und publizistischen Existenz verwischt hatte.

    Auf spannende Weise bringt Heidi Urbahn de Jauregui dem Leser das bewegte Leben dieser bisher romantisch verklärten Außenseiterin anschaulich näher. Dabei stellt es sich als gelungener Schachzug heraus, mit dem recherchierenden Matthias und seiner kleinen Madeleine ein scheinbar wesensgleiches Paar zu Heine und Elise in den Mittelpunkt der knapp 400 Seiten zu stellen. Auch der etwas historisierende Erzählstil trägt zu diesem Eindruck bei. „Dichterliebe“ ist nicht nur das fesselnde Porträt einer ungewöhnlichen Frau, sondern erzählt gleichzeitig auch ein Stück Kultur- und Literaturgeschichte.

    Manfred Orlick


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