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    Reinboth, Gudrun:
    Nenn mich noch einmal Jochanaan

    Metz, 2004, 1. Aufl., 3-927655-55-4, geb.,
    191 S., € 12,90. inkl. gesetzl. MwSt.

    „Ein Mann läuft durch die Nacht“, leicht lässt sich dieser Satz beim ersten Mal noch lesen.
    Abraham, der Thora-Schreiber versucht den Kaufmannszug des Christen Holzschuher einzuholen. Gemeinsam wollen sie nach Worms. Es ist Nacht und so muss er nicht sehen, wie der Zug nach einem Überfall zugerichtet ist. Doch was er in der Dunkelheit mit den Händen fühlt, ist schrecklich. Nur der gerade geborene Sohn seiner Dienerin hat überlebt. Jochanaan hatte ihn die Mutter genannt.
    Schon lange wünschte sich Abraham einen Sohn und Jochanaan wird es für ihn und die ganze Familie, auch als noch vier Töchter geboren werden.
    1348, dreizehn Jahre später. Die Erwähnung eines alten Geheimganges im Hausbrunnen und von Gerüchten über die Pest in Frankreich lassen erahnen, was kommen wird. Leicht vergisst dies der Leser aber aufgrund der naheliegenden Geschehnisse.
    Johannes gelangt an einen Brief, der zeigt, er ist nicht Jochanaan, Sohn der jüdischen Magd Abigail, sondern Christoph Holzschuher, Sohn des bei dem Überfall gestorbenen Kaufmanns. Abraham ist ein redlicher Mann und so teilt er die neue Erkenntnis dem Rat der Stadt und Berthold Holzschuher, dem Bruder des Ermordeten mit.
    Von diesem Punkt an wird dem jungen Leser emotional Einiges zugemutet. Groß ist der Schmerz, den die folgende Trennung für Johannes und seine Familie bedeutet, auch wenn Onkel und Großmutter ihn voll Zuneigung und Fürsorge aufnehmen und er weiter in Kontakt mit seiner Familie bleiben darf. Dann treten in Worms die ersten Pestfälle auf und es heißt, die Juden seien schuld.

    Sehr viel bietet dieser Jugendroman. Nicht nur eine spannende, in ihren Einzelheiten kaum vorhersehbare Handlung, die jungen Lesern gefallen wird. Vielmehr gibt es noch einige bemerkenswerte Aspekte.
    Gudrun Reinboth hat für diesen Roman nicht nur Sachbücher, die in einem Literaturverzeichnis benannt sind, zu Rate gezogen, sondern auch das Wormser Stadtarchiv. So gibt es tatsächlich eine Überlieferung, nach der ein Jude vor den rasenden Christen in eine Kirche flüchtete. Dort gab der Priester ihm ein Messgewand und er hielt eine Predigt, die zum Ende der Pogrome in Worms führte.
    Zahlreiche Fakten über das Leben im Mittelalter werden vermittelt, anfangs noch sehr offen, aber nicht belehrend in den Text eingefügt. Später, im flüssiger gewordenenText sind die Informationen vollkommen mit ihm verschmolzen. So lernt der Leser sehr viel über das Mittelalter, über die jüdische Religion und die christliche Kirche zu dieser Zeit.
    Die Unterschiede und Spannungen zwischen den beiden Religionen sind eines der Hauptthemen und manches gemahnt an heutige Reden und Diskussionen. Das sollte aufrütteln.
    Einzig die theologischen Ausführungen der Priester sind unrealistisch. Sie spiegeln zwar treffend die damaligen Ansichten der Kirchenführung, wären aber von den handelnden Personen kaum so gesagt worden, sie standen zu niedrig in der Rangordnung.
    Durch Johannes Schwester Judith bietet sich nicht nur eine Identifikationsfigur für Mädchen, sondern es wird auch die Frage der Gleichberechtigung aufgeworfen.
    All diese Themen regen den Leser zum Nachdenken an, drängen sich aber nicht auf, sondern sind ebenso wie die Fakten mit der Handlung und dem Text verwoben.
    Neben diesem inhaltlichen Wert spricht der Roman auch stark die Emotionen an. Sehr viel Leid und Schmerz präsentieren sich. Den Leser erwartet in den meisten Fällen kein glücklicher Ausgang.
    Deutlich lässt die Autorin das Geschehen lebendig werden. Einfache Sätze erzählen eine dichte Geschichte voller Spannung, Grausamkeit, Leid aber auch voll Harmonie, Liebe, Mut und Menschlichkeit.
    Die rosa Farbe des Covers wird leider wohl Jungen eher davon abhalten, nach dem Buch zu greifen.
    Ein stimmiger historischer Roman für Jungen und Mädchen ab ca. 12 Jahren.

    S. Brink

    Schule: Dank der vielen Denkanstöße, Informationen und Themen eignet sich der Roman als Ganzschrift in Religion, Geschichte und Deutsch.

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