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    Vinke, Hermann:
    Das kurze Leben der Sophie Scholl

    Ravensburger, 2005, 1. Aufl., 3-473-54254-7, kt.,
    224 S., € 4,00. inkl. gesetzl. MwSt.

    Derzeit kommt man nicht umhin, sich mit dem dunkelsten Kapitel der deutschen Geschichte zu beschäftigen: Zum 60sten Mal jährt sich dieser Tage das Ende des Zweiten Weltkrieges und die Medien und Filmemacher überschütten uns geradezu mit Erinnerungen. „Wider das Vergessen“ lautet die Leitlinie der Informationspolitik und bildet damit den positiven Kontrast zu dem sonst so inhaltsschwachen Meinungsgetöse der Publizisten.

    „Wider das Vergessen“ könnte auch das Motto lauten, unter dem der Ravensburger Verlag eine Buchreihe zum Thema „60 Jahre Kriegsende“ ins Leben gerufen hat, die Kinder und Jugendliche dazu animieren soll, sich mit dem „Dritten Reich“ zu beschäftigen. Es geht dabei nicht um die Vermittlung von Daten und Fakten, wie es im Geschichtsunterricht der Fall ist, sondern viel mehr um den Einblick in das Leben der Menschen zur damaligen Zeit.
    Diese Erlebnisse werden aus der Perspektive von Jugendlichen und Kindern geschildert – Identifikationsfiguren für die junge Lesergeneration - um einen nachvollziehbaren Eindruck zu vermitteln.
    In dieser Reihe wurde nun auch die Dokumentation „Das kurze Leben der Sophie Scholl“ von Hermann Vinke, die bereits 1980 erschienen war, wieder veröffentlicht. Sie erinnert an eine der eindrucksvollsten Heldinnen des Widerstandes gegen das nationalsozialistische Regime. Zusammen mit ihrem Bruder Hans und einigen Kommilitonen bildete sie die Studentengruppe „Die Weiße Rose“, die sich engagiert und couragiert gegen Adolf Hitlers Regierung aussprach und durch Flugblätter aufrief, sich gegen die Nationalsozialisten zu stellen. Das Geschwisterpaar und viele ihrer Mitstreiter bezahlten dies mit dem Leben.

    Das Buch ist keine Dokumentation der politischen Aktivitäten der „Weißen Rose“ – es ist mehr. Es ist die Biografie einer intelligenten jungen Frau, die nachdenklich, fast ein wenig schüchtern war und ganz und gar nicht dem Bild entspricht, das medial vorgegaukelt wird.
    Sophie Scholl liebte das Schöne: Literatur, Kunst, Musik, die Natur. Sie schrieb viel, zeichnete, spielte Klavier, beschäftigte sich mit Philosophie. Sie war keinesfalls von Anfang an Hitler-Gegnerin, sondern schloss sich, genau wie ihre Brüder und Schwestern, gegen den Rat des Vaters, der Hitlerjugend an. Es dauerte eine ganze Weile, bis sich ihr Freiheitsdrang und ihr ausgeprägter Gerechtigkeitssinn durchsetzte - ihre jüdischen Freundinnen durften nicht dem BDM beitreten - und bis sie die künstliche Begeisterung leid wurde, die sich in militärischem Drill, Parolen und bedingungslosen Gehorsam manifestierte. Sie wurde zur überzeugten Kriegsgegnerin, nahm eingezogenen Freunden das Versprechen ab, niemals auf einen Menschen zu schießen und weigerte sich, warme Kleidungsstücke an die Soldaten in Russland zu spenden.

    In Briefauszügen, Tagebuchaufzeichnungen und vielen Interviews mit Zeitzeugen, u.a. mit der Schwester Inge Aicher-Scholl, wird hier ein Porträt des Menschen Sophie Scholl erstellt.
    Leserinnen und Leser erfahren viel über die Selbstbestimmtheit, due Eigenverantwortung, die Toleranz und den Gerechtigkeitssinn einer jungen Frau, die bereit war, für die Verteidigung dieser Werte zu sterben.

    Somit ist Sophie Scholl auch heute noch ein Synonym für Unangepasstheit und Mut. In einer Zeit, in der Kampagnen für Zivilcourage werben, um daran zu erinnern, dass man nicht nur für sich selbst, sondern auch ein Stück weit für andere verantwortlich ist, kommt dieses Werk gerade recht. Damit das Motto „Wider das Vergessen“ nie vergessen wird.

    Olaf Nägele

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